GESCHICHTE DES SPD-ORTSVEREINS - Teil 7: 1933-1945

Veröffentlicht am 06.08.2005 in Ortsverein

Die NSDAP wurde die allein bestimmende Partei im Gemeinderat, die Liste der SPD zur Kommunalwahl kam nicht zum Tragen. Gemeinderäte erklärten ihren Rücktritt. Parteiakten und Mitgliedslisten wurden größtenteils vernichtet, um schlimme Konsequenzen für die Mitglieder der SPD zu verhindern. Deshalb fällt es uns heute schwer, über diese Zeit zu berichten.

Jakob Schmitt, in den Nachkriegsjahren langjähriger Gemeinderat, erinnert sich an diese Zeit: „Kurz vor der Machtergreifung der Nazis fand in Handschuhsheim noch eine Versammlung des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold statt (Kampforganisation der Sozialdemokraten). Ich fuhr in Uniform mit dem Fahrrad im Dunkeln zurück nach Dossenheim. Man musste vorsichtig sein. Es gab damals auch sehr handfeste Auseinandersetzungen zwischen den politischen Gruppierungen. Viele Gegner in der Dossenheimer Bevölkerung schufen sich die Nazis mit einer Kampagne gegen die Kirchen. Später hat sich die Solidargemeinschaft eines kleinen Ortes wie Dossenheim bewährt; es gab kaum Denunziationen, die dazu geführt hätten, dass jemand inhaftiert worden wäre. Finanzielle und berufliche Nachteile mussten Sozialdemokraten jedoch gegenüber anderen, die sich den neuen Verhältnissen anpassten, schon hinnehmen.“ Zumindest einer der Dossenheimer Sozialdemokraten, der Drogist Adam Engel, seit 1905 Mitglied der SPD, war längere Zeit im KZ.

Noch bis zur Mitte der Dreißigerjahre war die Situation in Dossenheim von Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Not geprägt. Der „Verein zur Umschulung" hatte ab 17. Januar 1932 Notstandsarbeiten an der Schauenburg durchgeführt. Die Gemeinde verschuldete sich dadurch derart hoch, dass sie auch nach 1933 mit dieser Schuldenlast lange zu kämpfen hatte. 1935/1936 war auch die vierte und letzte (außer Schwabenheim) Flurbereinigung abgeschlossen, so dass für die Dossenheimer Landwirte bessere Arbeitsbedingungen bestanden. Obwohl in dieser Zeit jegliche öffentliche politische Arbeit lahmgelegt war, gab es doch vereinzelt politische Aktivitäten.

So fand zum Beispiel 1935 im Steinbruch Vatter ein Streik statt, der offenbar von ehemaligen Gewerkschaftern organisiert wurde. Es lässt sich nicht mehr feststellen, ob auch Sozialdemokraten daran beteiligt waren, man kann es nur vermuten. August Groß und Jakob Schmitt wissen auch darüber zu berichten, dass ein riesengroßes Hakenkreuz - an eine Felswand des Steinbruchs von Nazis gemalt und weithin leuchtend - eines Nachts plötzlich verschwunden war. Wir wissen heute nicht mehr, wer in halsbrecherischer Kletterei und unter der Diktatur des Nazistaates dieses Symbol übermalt hat. Den persönlichen Mut, den diese Menschen damals aufbringen mussten, kann die heutige Generation kaum noch ermessen. Es lohnt sich aber darüber nachzudenken, wenn es heutzutage gelegentlich notwendig ist, ein bisschen Zivilcourage zu zeigen.