Jedes Jahr an einem Sonntag im November lädt der SPD-Ortsverein seine Mitglieder zum Ehrungsnachmittag ein. So saßen auch jetzt zahlreiche Mitglieder im Zwingli-Raum des Martin-Luther-Hauses bei Kaffee und Kuchen zusammen. Der eigentliche Anlass für das Treffen stand nach intensiver Diskussion zur aktuellen Flüchtlingspolitik im Mittelpunkt des Nachmittags. Zwei Mitglieder waren für ihre langjährige Mitgliedschaft zu ehren: Gabriele Baumhard ist seit 25 Jahren in der SPD, Jochen Matenaer seit 40 Jahren.
Die 2. Vorsitzende Petra Gehrig-Beyrer und der SPD-Landtagsabgeordnete Gerhard Kleinböck übergaben Urkunden und Anstecknadeln. Kleinböck blickte in die Geschichte, um den Parteieintritt vor den historischen Geschehnissen und Ereignissen zu spiegeln. 1990 – das Beitrittsjahr von Gabriele Baumhard - sei ein historisch bedeutendes Jahr gewesen, sagte er und nannte die deutsch-deutsche Wiedervereinigung und das Ende der Apartheid in Südafrika. Er erinnerte an die Attentate auf Oskar Lafontaine und Wolfgang Schäuble. Gabriele Baumhard sei seit vielen Jahren aktives Vorstandsmitglied und unterstützte die SPD seit 1994 durch ihre Listenkandidaturen bei den Gemeinderatswahlen, ergänzte Petra Gehrig-Beyrer.
Im Jahr 1975 – das Beitrittsjahr von Jochen Matenaer - regierte noch Hans Filbinger in Baden-Württemberg. Der kürzlich verstorbene Helmut Schmidt war seit einem Jahr Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Lokal war von Bedeutung, dass mit Gerd Apfel erstmals ein „Juso" in den Gemeinderat einzog. Das war auch der Anlass für Matenaer in die Partei einzutreten, wie dieser nach der Ehrung sagte. Paul Ulrich, damals 2. Vorsitzender des Ortsvereins, habe ihn ermutigt: „Der junge SPD-Gemeinderat sitzt ganz allein zwischen lauter alt gewordenen Zigarrenrauchern, der braucht Unterstützung." Und, die kam: Seit vielen Jahren ist Jochen Matenaer Vorstandsmitglied und saß zunächst von 1989-2004 im Gemeinderat. Nach einer Pause vertritt er nun wieder seit 2014 die SPD im Dossenheimer Kommunalparlament.
Die Parteiarbeit und die Zeit als Gemeinderat hätten ihn sehr bereichert, so Matenaer. Er habe etwas gelernt: Es stimme nicht, dass man nichts verändern könne. Die SPD hätte einiges bewegt, so sein Fazit nach 40 Jahren Parteizugehörigkeit. Voraussetzung sei allerdings eine gute Portion Leidensfähigkeit. Mit einem Augenzwinkern hatte schon Kleinböck das bloße, jahrzehntelange Ausharren in der Partei als Verdienst kolportiert.
Anschließend wurde engagiert das aktuelle Geschehen diskutiert und natürlich war man auf die in der Gemeinde untergebrachten Flüchtlinge zu sprechen gekommen. Kleinböck freute sich, dass viele der Zweifler ihre Haltung geändert hätten. „Durch Kontakte bekommt das Flüchtlingsthema ein Gesicht", wertete der Landtagsabgeordnete die Begegnung als zwingend notwendig. Damit verändere sich die Welt. Dennoch stehe man erst am Anfang. Die Anschlussunterbringung erfordere bezahlbaren Wohnraum. Neben dem Lernen der Sprache sei die berufliche Integration zentral. So würde man in Heidelberg jetzt damit beginnen, auch Ausbildung und Beruf bei der Erfassung abzufragen. Das Gespräch zusammengefasst: Ohne Ehrenamt geht nichts und eine Ghettoisierung mit sich entwickelnden Parallelgesellschaften müsse vermieden werden.