Die Diskussionen um die Erweiterung des AVR-Geländes am Schwabenheimer Hof haben offenbart, dass sich die Gemeinde vom Gewerbegebiet Langgewann verabschieden muss:
Die Diskussionen um die Erweiterung des AVR-Geländes am Schwabenheimer Hof haben offenbart, dass sich die Gemeinde vom Gewerbegebiet Langgewann verabschieden muss:
1) Der Erhalt des Schwabenheimer Hofes ist nur möglich, wenn die dort ansässigen fünf Landwirte auf ausreichend Ackergelände zurückgreifen können. Jede Flächenreduzierung stellt für sie die existenzielle Frage und damit auch für den Schwabenheimer Hof. Das heißt, wer sich für dessen Fortbestand als landwirtschaftlicher Weiler einsetzt, muss sich vom Gewerbegebiet Langgewann verabschieden.
2) Das Gebiet längs des Neckars vom Neuenheimer Feld über den Schwabenheimer Hof/Neubotzheim bis nach Ladenburg hat einen hohen überregionalen Naherholungswert, der für die Bevölkerung im dicht besiedelten Rhein-Neckar-Raum sehr wichtig ist.
3) Die Ausweisung neuer Wohnflächen (West/West II/Nord) mit hohen Grundstückspreisen hat zu einer Veränderung der Bevölkerungsstruktur geführt. Nicht mehr der „Steinbrecher“ ist der typische Dossenheimer, sondern einkommensstarke Beschäftigte der Uni-Heidelberg oder der SAP in Walldorf. So argumentierte ein Besucher der Informationsveranstaltung der BI-Pro-Schwabenheim zutreffend: „Nicht die Gewerbesteuer ist für Dossenheim wichtig, es ist die Einkommensteuer!“
4) Die Umstrukturierung Dossenheims hat sich infolge der Schließung der Steinbrüche – ehemalige Gewerbeflächen - über viele Jahre hinweg entwickelt. Auf der Fläche der ehemaligen Vatter-Verladestation entsteht eine Passiv-Haus-Siedlung, Teile des Leferenz-Steinbruches wurden in der Vergangenheit rekultiviert und damit der Natur „zurückgegeben“, der Rest wird jetzt der Bevölkerung zur Naherholung zur Verfügung gestellt. Gegen die drohende Entwicklung nach dem Motto „den Dossenheimern die Wohnflächen, den Schwabenheimern die Gewerbeflächen“ haben sich die Schwabenheimer zu Recht gewehrt.
5) Die Verlagerung der Hirschberger Müllumladestation aus einer Brachlandschaft mit Gleis- und Autobahnanschluss in den „regionalen Grünzug Schwabenheimer Hof“ widerspricht zentralen Grundsätzen der Regionalplanung.
Fazit der SPD: Dossenheim ist eine Wohngemeinde, daher keine Ausweisung neuer Gewerbeflächen im Flächennutzungsplan, Begrenzung des Verbrauchs auch bei Wohnflächen und stärkere Berücksichtigung von Ansiedlungswünschen einkommensschwächerer Bevölkerungsschichten.
Unabhängig von dieser wichtigen Grundsatzentscheidung für die Zukunft Dossenheims soll jedoch noch auf einige Merkwürdigkeiten bezüglich der konkreten Ansiedlungswünsche der AVR hingewiesen werden. Die Erweiterungwünsche der AVR sind seit Jahren bekannt. Eine neue Qualität in dieser Frage erzeugte die AVR als sie Dossenheim als Standort für eine Müllverbrennungsanlage ins Spiel brachte – absurd und kontraproduktiv. Im November 2006 verhinderte ein Geschäftsordnungsantrag der Freien Wähler die von der SPD-Fraktion geforderte Gemeinderatsdebatte zu diesem Thema. Das Misstrauen der Schwabenheimer war geweckt. Nach und nach wurden aus nichtöffentlichen Vorbesprechungen (ohne jegliche Beschlüsse) des Gemeinderates wieder Gewerbeansiedlungswünsche bekannt: Golf-Platz, Bertha-Benz, Fachmarkt und schließlich wieder die AVR. Laut dem Vorsitzenden der SPD-Kreistagsfraktion und stv. Vorsitzenden des AVR-Aufsichtsrats Helmut Beck habe die Geschäftsführung der AVR „wohlwollende Signale“ aus dem Gemeinderat zu ihren Ansiedlungswünschen erhalten. Da jedoch öffentliche Stellungnahmen von Seiten der Gemeindeverwaltung und des Gemeinderates unterblieben, wuchs das Misstrauen der Schwabenheimer bis hin zu den abwegigen Befürchtungen, die AVR plane immer noch den Bau einer Müllverbrennungsanlage - wenn wundert’s. Bis zum heutigen Tag hat der Gemeinderat nicht über Gewerbeansiedlung im Langgewann öffentlich diskutiert. Unter dem Druck der Öffentlichkeit wird nun am 22.7. entschieden – aber das Ergebnis steht nach der Presserklärung der CDU im Voraus schon fest! Also es bleibt dabei: Die öffentlichen Sitzungen des Gemeinderates sind uninteressant, über die nichtöffentlichen Sitzungen weiß der ganze Ort Bescheid.