Dossenheimer Schulpolitik: Ganztagesgrundschulen – Hauptschule?

Veröffentlicht am 10.06.2008 in Gemeindenachrichten

Der Einladung der SPD zum Vortrag des Heidelberger Schulbürgermeisters Dr. Gerner waren neben einigen interessierten Bürgerinnen und Bürgern Bürgermeister Hans Lorenz, die Rektorin der Kurpfalzschule Ingrid Heid-Boström und ihre Stellvertreterin Renate Taraba gefolgt. Und das aus gutem Grund. Für Dossenheim steht insbesondere die Zukunft der Hauptschule in Frage. Auch die Schülerzahlen für das kommende Schuljahr können hier keine Entwarnung geben:

Grundschulempfehlungen für das kommende Schuljahr 2008/2009
  Neubergschule Kurpfalzschule Summe
Abgänger/innen
Grundschule
58 100,0 % 56 100,0 % 114 100,0 %
Gymnasium 41 70,7 % 43 76,8 % 84 73,7 %
Realschule 13 22,4 % 5 8,9 % 18 10,5 %
Hauptschule 4 6,9 % 8 14,3 % 12 10,5 %

 

Schülerzahlen Hauptschule Schuljahr 2008/2009
Klasse 5 11
Klasse 6 10
Klasse 7 15
Klasse 8 13
Klasse 9 20
Summe 69

Von ähnlichen Entwicklungen in Heidelberg konnte auch Dr. Gerner berichten. Dort hat man vor drei Jahren entschieden, die acht Heidelberger Hauptschulen an vier Standorte zusammenzufassen. Hauptmotiv für diese Entscheidung sei die Sicherung der Unterrichtsqualität gewesen, so Dr. Gerner. Mit durchgehend zwei Klassen pro Jahrgang könne man den Schülerinnen und Schülern ein breites und vielfältiges Angebot machen. Diese Angebote sollen in Heidelberg durch Kooperationen mit Realschulen erweitert werden. Entsprechend den Vorgaben des Kultusministeriums sind zwei Varianten möglich:

  • Gute Hauptschülerinnen und Hauptschüler besuchen in den Kernfächern Deutsch, Englisch und Mathematik eine 5. und dann eine 6. Realschulklasse.
  • Hauptschüler und Realschüler werden in sogenannten Kooperationsklassen gemeinsam in den Kernfächern unterrichtet.

Beide Varianten setzen die räumliche Nähe von Haupt- und Realschule und die grundsätzliche Kooperationsbereitschaft einer Realschule voraus. Beide Varianten stoßen bei Realschulen auf wenig Resonanz und werden daher in Dossenheim nicht angeboten werden können.

Auch im Bereich der in Dossenheim angedachten Ganztagesgrundschulen musste Dr. Gerner auf die widersprüchliche Bildungspolitik verweisen. Das Land unterstützt personell und finanziell zwei Varianten:

  • Die „offene Ganztagesschule“ verpflichtet nur die diejenigen Schülerinnen und Schüler zur Wahrnehmung der Ganztagesangebote, die sich dazu angemeldet haben. Der Pflichtunterricht findet vormittags für alle statt. Die Nachmittagsangebote sind zwar freiwillig, jedoch für einen gewissen Zeitraum (ein Jahr) verbindlich.
  • Die „teilweise gebundene“ Ganztagesschule gleicht der offenen Form, jedoch nehmen alle Schülerinnen und Schüler an einem zusätzlichen, zwei- bis dreistündigen Ganztagesbetrieb teil.

Die Einrichtung einer teilweise gebundenen Ganztagesschule unterstützt das Land aber nur, wenn sie in einem sozialen Brennpunkt (z.B. Heidelberg-Emmertsgrund) liegt. Da dies in Dossenheim nicht der Fall ist, bleibt nur die offene Ganztagesgrundschule.

Genau diese brächte aber für Dossenheim Nachteile, so Dr. Gerner. Wie die Heidelberger Grundschulen, bieten beide Dossenheimer Grundschulen im Rahmen der „verlässlichen Grundschule mit Schülerhort“ jetzt schon eine der offenen Ganztagesschule vergleichbare Struktur. Würde die Gemeinde Dossenheim die Einrichtung offener Ganztagesschulen beantragen, verlöre sie die Landeszuschüsse für die verlässliche Grundschule und den Hort, ohne dass dies durch die Zuschüsse zur „Ganztagesschule“ ausgeglichen werden würde. „Deshalb bleiben wir in Heidelberg bei der verlässlichen Grundschule. Sollte das Land seine Zuschusspolitik ändern, hängen wir das Schild Ganztagesschule an den Eingang unserer Grundschulen auf“, so Dr. Gerner.

Fazit: Dossenheim braucht keine „Ganztagesgrundschulen“, weil sie sie faktisch schon hat, aber in Sachen Hauptschule kommt auf den Gemeinderat eine Entscheidung zu. Schade, dass nur wenige Gemeinderäte trotz Einladung die Informationsmöglichkeit zu diesen wichtigen Fragen nutzten. Auch ein Vertreter/in der Neubergschule wurde nicht gesehen.