Voll bestätigt sieht sich die SPD in ihrer Auffassung, dass der Bau weiterer Müllverbrennungsanlagen total am Bedarf vorbeigeht. Wie in der jüngsten Ausgabe von „REMONDIS aktuell" unter dem Titel „Zu viele Öfen, zu wenig Abfall" nachzulesen ist, gibt es inzwischen erhebliche Überkapazitäten bei Müllverbrennungsanlagen.
Ludger Rethmann, Vorstandssprecher von REMONDIS - einem weltweit operierenden Entsorgungsunternehmen und gleichzeitig Kooperationspartner der AVR – führt in dem Artikel aus, dass seit Inkrafttreten der TASI (Technische Anleitung Siedlungsabfall) im Jahre 1993 in Deutschland und in den benachbarten Niederlanden Verbrennungsanlagen mit einer Kapazität von 4 Mio. Jahrestonnen in Betrieb genommen worden sind. Weitere Anlagen in einer Größenordnung von 1,3 Mio. t sind derzeit im Bau. Rechnet man die EBS-Kraftwerke (EBS=Ersatzbrennstoffe) hinzu, so ergibt sich für beide Länder zusammen eine Verbrennungskapazität von insgesamt 30 Mio. Jahrestonnen. Die Sache habe jedoch einen Haken, so Remondis-Vorstand Rethmann. Es gebe in Zukunft nicht genug Abfall, um alle bestehenden und neuen Anlagen wirtschaftlich zu betreiben. Die Folgen seien Preisverfall, Wertberichtigungen und Insolvenzen bei Müllverbrennungsanlagen. Genau genommen bestünde diese Situation schon heute. Die Anlagen führen bereits jetzt schon nicht mehr mit 100% Auslastung. Schon heute sei man auf ausländischen Müll angewiesen.
Vor diesem unbestreitbaren Hintergrund war die konsequente Haltung der SPD gegen die Errichtung einer Müllverbrennungsanlage im Kreisgebiet eindeutig richtig, so Fraktionsvorsitzender Helmut Beck. Die AVR hätte mit einer Vielzahl von Konkurrenten um den anfallenden Abfall kämpfen müssen und wäre dabei mit ihrer relativ kleinen Anlage in der Regel nur zweiter Sieger geblieben. Stattdessen sei der Rhein-Neckar-Kreis ohne die eigene Anlage in einer vergleichsweise günstigen wie auch sicheren Situation. Durch die bevorstehende Ausschreibung des zur Verbrennung anfallenden Abfalls sei er in der Lage, den preisgünstigsten Müllverbrenner auszusuchen. Ein mögliches wirtschaftliches Risiko liegt also nicht beim Rhein-Neckar-Kreis sondern eindeutig aufseiten der Betreiber von Müllverbrennungsanlagen.
Befürchtungen der Bürgerinnen und Bürger des Schwabenheimer Hofes, der Rhein-Neckar-Kreis plane immer noch den Bau einer Müllverbrennungsanlage, sind unbegründet. Letztlich sind diese Befürchtungen wie auch das Misstrauen gegen jegliche Erweiterungspläne der AVR Spätfolgen der „Drohkulisse“ von Landrat Dr. Schütz gegen die Mannheimer Müllverbrennungsanlage.