Zufrieden zu sein nach einer verlorenen Wahl, das sei ein merkwürdiges Gefühl, erklärte MdB Lothar Binding, der über die Zweitstimmen seinen Sitz im Bundestag hatte sichern können. Im „Kleinen Haus" in der Pfarrgasse ehrte er Parteimitglieder für ihre langjährige Zugehörigkeit.
Lothar Binding ehrte aber nicht nur, er ging auch auf sein persönliches Abschneiden bei der Bundestagswahl ein. Im wahlkreisinternen Kandidatenzwettkampf der beiden großen Volksparteien war er dieses Mal unterlegen. Hatte er die Stimmen als Person verloren? „Es gibt niemand, der mir sagt, dass ich etwas Grundlegendes falsch gemacht habe", sagt der Fachmann für Finanzen. Und er begann eine Vielzahl von Punkten zu nennen, die seiner Meinung nach das Direktmandat verhindert hatten: das Zusammentreffen von Ferienzeit und Wahlvorbereitung, die zu Hause gebliebenen Wähler, die Wahlkampfführung der Grünen, die Existenz der PDS-Linken. Die insgesamt positive Wirkung des Schröder'schen Wahlkampfs sei ihm persönlich zum Nachteil gereicht, vermutete er weiter. Die Formel „der Herr Professor aus Heidelberg" habe vor Ort eine Spur in die andere Richtung bewirkt, so Binding. Auch eine starke Verschiebung bei den Briefwählern bleibe näher zu untersuchen.
Schließlich ging Lothar Binding zum eigentlilchen Anlass seines Kommens über: die Ehrung langjähriger, besser jahrzehntelanger Mitglieder. Walter Bachert, Bernd Barth und Gerd Hammer sind seit einem Vierteljahrhundert Parteimitglied. Jochen Matenaer seit drei Jahrzehnten und Gerd Apfel und Peter Fischer sind gar seit 35 Jahren Genossen. Mit allen Ausgezeichneten hatte Binding vorab ein kurzes Gespräch geführt und seine berühmten Fragen gestellt. Stets fragt er nach dem Grund des Eintritts, den schönsten und schlimmsten Erlebnissen mit der Partei und den Gründen für das Fortbestehen der Zugehörigkeit. Neben dem sozialen Anliegen sei es die freundschaftliche bis familiäre Atmosphäre der politisch Gleichgesinnten, die den Ortsverein auszeichne. Natürlich stärke das die Gruppe, erschwere aber möglicherweise anderen den Zugang. Pinar Karacinar, die als Neumitglied begrüßt wurde, empfand das nicht so. Im Gegenteil, sie fühlte sich gleich angenommen.