Die Ortsvereinsarbeit war naturgemäß in starkem Maß von Wahlkampfvorbereitungen und - durchführungen bestimmt. Die Kommunalwahlen fanden damals in 2-jährigem Rhythmus statt, wobei immer nur die Hälfte der Gemeinderäte neu zu wählen war. Daneben waren Kreistags-, Landtags- und Bundestagswahlen vorzubereiten. Das bedeutete: Diskussionen in Mitgliederversammlungen über die Aufstellung von Kandidaten und die Durchführung politischer Veranstaltungen mit Diskussionen. Als prominenteste Besucher Dossenheims auf Einladung der SPD seien genannt: die langjährige Bundestagsabgeordnete Emmy Meyer-Laule, die späteren Bundesminister Alex Möller und Horst Ehmke und in neuerer Zeit die Abgeordneten Gerd Weisskirchen, Heide Wieszorek-Zeul, Herta Däubler-Gmelin.
Der jährliche Wechsel der Vorsitzenden in den Jahren 1969 bis 1976 markierte dann jedoch mehr als nur einen Generationswechsel. Er war stärker das Resultat tiefgreifender Veränderungen im politischen Bewusstsein und in der Zusammensetzung der Mitgliedschaft. Die Auswirkungen der Studentenbewegung waren auch im Ortsverein spürbar. Zunehmend bekam der Ortsverein Zuwachs von in Dossenheim lebenden Studenten, die die Forderung nach mehr öffentlicher Diskussion und Mitbeteiligung der Bürger an Planungen erhoben, aber auch Diskussionen über bundespolitische und weltpolitische Probleme verlangten. Der Ortsverein sollte sich stärker an der innerparteilichen Diskussion beteiligen und eigene Anträge an die Landes- und Bundesparteitage richten. In diese Zeit fällt auch die Neubelebung der JUSO-Gruppe, die vor allem durch Flugblätter, aber auch die Herausgabe von "Dossenheim Aktuell" und mehrere Informationsveranstaltungen bekannt wurde. Als Beispiel für diese Erweiterung des politischen Engagements des Ortsvereins kann die Mitgliederversammlung des Jahre 1970 gelten, auf der Anträge zu folgenden Problemen eingebracht, beraten und verabschiedet wurden: Verständigung mit den Staaten des Warschauer Paktes, Konjunktursteuerung (es war die Zeit der "Konzertierten Aktion" des Ministers Karl Schiller), Senkung der Arzthonorare, Sozialer Wohnungsbau, Verbraucheraufklärung, Lärmschutz, Änderung des Personalvertretungsgesetzes, Zeitkarten für die Bundesbahn.
Nachdem die Jungsozialisten sich 1973 stärker auf kommunalpolitische Probleme konzentrierten und weitestgehend im SPD-Vorstand mitarbeiteten, sofern sie nicht aus beruflichen Gründen fortzogen, wurden im SPD-Ortsverein verstärkt kommunale Probleme intensiv diskutiert: Bauplanung, das Dauerproblem der von den Steinbrüchen ausgehenden Beeinträchtigungen und die Verhinderung der Eingemeindung, der Kreismülldeponie und der Steinnachtalstraße. Gleichzeitig bemühte sich der Ortsverein, und dies gilt verstärkt für die letzten Jahre, um innerparteiliche Präsenz. Delegierte des Ortsvereins besuchten regelmäßig Kreisparteitage (1979 in Dossenheim); auf dem Landesparteitag in Breisach waren sogar zwei Delegierte aus Dossenheim.
Bundespolitisch engagierte sich der Ortsverein durch Schreiben an verschiedene Minister, z.B. wegen der Aktivitäten der SS-Nachfolgeorganisation HIAG, oder aus Protest gegen die Überprüfungspraxis im Öffentlichen Dienst; aber auch durch Solidaritätsschreiben an Bundestagsabgeordnete, so z.B. an Manfred Coppik anlässlich seines Widerstandes gegen das Kontaktsperregesetz. Der Ortsverein führte Diskussionen über die Energieproblematik, die Familienpolitik und die Amnesty-International-Kampagne gegen die Todesstrafe. Daneben wurden in unregelmäßigen Abständen Filmveranstaltungen durchgeführt, um politische Bildung im breitesten Sinne zu vermitteln; als Beispiel sei an die Filme "Nazis - gibt's die noch?", "Lina Braake" und "Hauptlehrer Hofer" erinnert. Die Arbeit des Ortsvereins zeigt also eine Vielfalt verschiedenartiger Aktivitäten. Dass dabei die Wahlkämpfe naturgemäß im Mittelpunkt stehen, ist gerade in diesem Jubiläumsjahr mit drei wichtigen Wahlen einleuchtend. Es ist kaum zu ermessen, wie viel Freizeit die Mitglieder aufgewendet haben, um zu werben, Plakate aufzustellen, Flugblätter und Prospekte zu verteilen und Veranstaltungen zu organisieren. Und es ist nicht zu leugnen, dass manchmal nach intensivem Einsatz der Mitglieder das Wahlergebnis Enttäuschung bereitete.
Kommunalpolitische, landespolitische, bundes- und europapolitische Probleme sind so stark miteinander verknüpft, dass sie auch die Arbeit des Ortsvereins entscheidend geprägt haben und weiterhin prägen werden. Dass dabei für den Ortsverein kommunale Belange im Mittelpunkt stehen, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass sich 1979 eine ASF-Gruppe gegründet hat, die sich intensiv um die Verbesserung der konkreten Wohn- und Lebenssituation in Dossenheim kümmert.
Mit diesem 10. Teil endet der Rückblick in die Geschichte des Dossenheimer Ortsvereins. Die in zehn Teilen abgedruckten Texte entstammen alle aus der Schrift, die anlässlich des 75-jährigen Jubiläums 1980 veröffentlicht wurde. Die fehlenden 25 Jahre werden aus der am 5.11. rechtzeitig zu unserem Fest in der Mühlbachhalle erscheinenden neuen Ausgabe zu entnehmen sein.