Berechnungen des IW (Institut der Deutschen Wirtschaft, Köln) belegen, wie wichtig Ganz-tagsbetreuung insbesondere für Alleinerziehende ist. Die Ein-Eltern-Familie ist auf dem Vormarsch. Gab es 1996 rund 1,3 Millionen Alleinerziehende in Deutschland, leben heute bereits etwa 1,6 Millionen Frauen oder Männer allein mit ihren minderjährigen Kindern - wobei in neun von zehn Fällen die Mütter die Verantwortung stemmen. Alleinerziehende stehen vor besonderen Herausforderungen. Viele springen permanent zwischen Kindererziehung, Haushalt und Arbeit hin und her. So arbeiten fast 60 Prozent der alleinerziehenden Mütter, 42 Prozent davon in Vollzeit.
Je älter der Nachwuchs, desto mehr und länger gehen Alleinerziehende arbeiten. Dabei würden viele Alleinerziehende gerne nicht nur früher in den Job einsteigen, sondern ihm auch mehr Zeit widmen, wenn es eine entsprechende Betreuung für die Kinder gäbe. Bei ausreichenden Ganztagsbetreuungsmöglichkeiten würde sich deren Beschäftigtenquote von 32 auf 69 Prozent mehr als verdoppeln. Auch die Zahl derer, die Vollzeit arbeiten gehen, nähme zu: Bei einem flächendeckenden Angebot an Ganztagsbetreuung würde die Zahl der alleinerziehenden und Vollzeit arbeitenden Mütter mit Kindern zwischen einem und zwölf Jahren um mehr als 84.000 Personen steigen. Die Zahl der Alleinerziehenden in Teilzeit würde sich um annähernd 26.000 erhöhen.
Vom längeren Kita-Besuch würde auch der Nachwuchs profitieren: Kinder, die bereits im Krippenalter betreut werden, dann einen Ganztagskindergarten besuchen und anschließend in der Grundschule von einer Ganztagsbetreuung profitieren, haben statistisch betrachtet bessere Chancen, den Übergang auf das Gymnasium zu schaffen, als Kinder, die mehr Zeit zu Hause verbringen. Aktuell gehen im Schnitt 36 Prozent der Kinder von Alleinerziehenden auf ein Gymnasium. Bei Nutzung aller Betreuungsmöglichkeiten bis zur vierten Grundschulklasse würde sich dieser Anteil nach IW-Berechnungen auf 62 Prozent erhöhen. Ein flächendeckendes Ganztagsangebot für den Nachwuchs Alleinerziehender kostet die öffentliche Hand zusätzlich 2,4 Milliarden Euro jährlich. Das ist viel Geld. Dennoch wäre es gut angelegt.
Durch die Verbesserung der finanziellen Situation der Alleinerziehenden würde der Staat über höhere Steuereinnahmen und sinkende Sozialausgaben profitieren. Zudem würden durch die Ganztagsbetreuung bessere Bildungslaufbahnen ermöglicht und müssten weniger Jugendliche teure Qualifizierungsprogramme durchlaufen. Ab 2020 ließen sich dadurch 300 Millionen Euro jährlich sparen.
Die kumulierten Mehrausgaben einer flächendeckenden Ganztagsbetreuung für Kinder von Alleinerziehenden werden voraussichtlich zwischen 2030 und 2035 durch die bis dahin aufgelaufenen zusätzlichen Steuereinnahmen bzw. niedrigeren Sozial- und Qualifizierungsausgaben gedeckt. Langfristig stünden den Kosten für den Ausbau der Kindertagesstätten und Ganztagsschulen sogar höhere staatliche Einnahmen gegenüber.
(Quelle: Informationen aus dem Institut der Deutschen Wirtschaft 5.4.2012)