Öffentliche Fraktionssitzung: Schwabenheimer gegen weitere Gewerbeansiedlung

Veröffentlicht am 08.05.2008 in Gemeindenachrichten

„Man kann nicht einerseits Geld für das Öko-Projekt „Lebendiger Neckar“ am Schwabenheimer Hof ausgeben und gleichzeitig eine Müllumladestation ansiedeln“, lautete einer der Vorwürfe an den Dossenheimer Gemeinderat und die Gemeindeverwaltung seitens der neugegründeten Bürgerinitiative „Pro Schwabenheim“.

In den Nebenraum der Gaststätte „Anker“ hatte die SPD zu einer öffentlichen Fraktionssitzung eingeladen und viele Schwabenheimer waren gekommen – unter ihnen die Landwirte und zahlreiche Bewohner von Schwabenheim und Neubotzheim. Nach langer Zeit umherschwirrender Gerüchte konnte Fraktionssprecher Rüdiger Neumann konkrete Ansiedlungswünsche präsentieren, wobei es allerdings noch keinerlei Beschlüsse des Gemeinderates gebe:

  • ein Infozentrum Bertha-Benz
  • ein großes kirchliches Gemeindezentrum
  • ein Neun-Loch-Golfplatz
  • ein Baumarkt/Fachmarkt
  • eine Müllumladestation der AVR

In der folgenden Diskussion offenbarte sich die einhellige Ablehnung dieser Ansiedlungswünsche durch zwei zentrale Argumentationsstränge:

Die Ansiedlung auch nur eines dieser Objekte ist der Türöffner für ein umfassendes Gewerbegebiet und besiegelt das Ende der Landwirtschaft im Schwabenheimer Hof und damit das Ende des Schwabenheimer Hofes selbst. Erst vor kurzem wurde den Bauern sechs Hektar Ackerfläche, die dem Land Baden-Württemberg gehören, entzogen und dem Julius-Kühn-Institut (Biologische Bundesanstalt) zur Verfügung gestellt. „Wir brauchen die wertvolle Ackerfläche dringend zur Produktion von Lebensmitteln und zur Sicherung der eigenen Existenz“, betonten alle Bauern angesichts der aktuellen Diskussion über steigende Lebensmittelpreise. Nur mit großen Mühen könne der Betrieb und die Bausubstanz der Höfe aufrecht erhalten werden.

„Uns werden bei jeder baulichen Veränderung große Auflagen gemacht, während die AVR einen baulichen Schandfleck in Form einer Müllumladestation platzieren darf“, war der zweite Hauptvorwurf gegen die „Dossenheimer“. Großes Misstrauen habe man vor allem gegen die AVR und deren Einfluss auf die Dossenheimer Kommunalpolitik. „Warum verlagert die AVR ihre Umladestation aus dem großen Gewerbegebiet bei Hirschberg ausgerechnet an den Schwabenheimer Hof, wo in einer Entfernung von 100m Menschen wohnen?“ „Gibt es Geruchsbelästigungen oder gar gesundheitliche Gefahren?“ „Nimmt der LKW-Verkehr zu?“ In der Umladestation werde Müll aus umliegenden Gemeinden angeliefert, gepresst, in größere LKWs verladen und in die Müllverbrennungsanlage nach Mannheim transportiert. „Warum kriegen wir den Müll und die „Dossenheimer“ die neuen Wohngebiete?“ Viele offene Fragen, die zeigen, wie tief die Gräben zwischen Dossenheim und Schwabenheim geworden sind.

Letztendlich geht es um die zukünftige Entwicklung Dossenheims und Schwabenheims. Die Schwabenheimer wollen Landwirtschaft und Naherholung. Was will Dossenheim? Der Schwabenheimer Hof als landwirtschaftlicher Weiler mit seiner wunderschönen Lage direkt am Neckar ist über Dossenheim hinaus ein beliebtes Ausflugsziel vieler Kurpfälzerinnen und Kurpfälzer. „Wir haben am Wochenende einmal die Fahrradfahrer gezählt. Es waren über Tausend“, erinnerte eine Anwesende an die wichtige Rolle Schwabenheims als Naherholungsziel. Soll das aufs Spiel gesetzt werden?

Der Ortsvereinsvorsitzende Fred Hermann dankte allen Anwesenden für die offene und sachliche Information und Diskussion. Er versprach, dass die SPD ernsthaft die Argumente abwägt. Zu bedenken sei aber auch, dass die AVR neue Arbeitsplätze schaffe und ein großer Gewerbesteuerzahler Dossenheims sei und z.B. die umfangreichen Sportanlagen, der Ausbau der Kinderbetreuung und die Einrichtung von Ganztagesschulen finanziert werden müsse.