Werkrealschule - Auslese statt Förderung!

Veröffentlicht am 10.02.2010 in Gemeindenachrichten

427 Anträge auf Bildung von Werkrealschulen für das Schuljahr 2010/11 sind bis 15. Dezember gestellt worden.Von den knapp 1.200 Hauptschulen werden im nächsten Schuljahr nicht einmal mehr 500 existieren. Nahezu nirgends hat das pädagogische Konzept der Werkrealschule die Stadt- und Gemeinderäte überzeugt. In aller Regel war es die Sorge um den Schulstandort, der den Wettlauf um die verbliebenen immer weniger werdenden Hauptschüler/innen belebte.

Vordergründig soll durch die Werkrealschule die Hauptschule qualitativ weiter entwickelt werden und einem größeren Teil der Schüler/innen die Möglichkeit eines mittleren Abschlusses bieten. Tatsächlich geht es dem Kultusministerium (KM) aber um die Schließung kleiner Hauptschulen, die hohe Personalkosten verursachen sowie darum, von der Diskussion um die Schulstruktur abzulenken und das dreigliedrige Schulsystem zu zementieren.

Die Werkrealschule stellt nach Betrachtung aller Aspekte keine pädagogische Verbesserung dar. In 2010/11 beginnen alle 5. bis 8. Klassen mit den neuen Bildungsplänen der Werkrealschule. Diese Bildungspläne gibt es noch nicht. Es ist ein einmaliger Vorgang in der Geschichte des KM, dass Bildungspläne ohne jegliche Erprobungsphase sofort flächendeckend eingeführt werden.

Da es noch keine Bildungspläne gibt, kann auch noch nicht fortgebildet werden. Vor den Sommerferien 2010 soll lediglich eine Halbtags-Veranstaltung zu den neuen Bildungsplänen stattfinden. Die Werkrealschule startet mit nicht fortgebildeten Lehrkräften ins Schuljahr 2010.

Nicht alle Schülerinnen und Schüler der Werkrealschule dürfen in die Klasse 10 aufrücken. Für den Zugang zur 10. Klasse dürfen die Noten der Kernfächer nicht schlechter als 4 sein. Eine mangelhafte Note kann nicht durch eine bessere Note in einem anderen Fach ausgeglichen werden. Es findet also nach der 9. Klasse wieder ein Ausleseverfahren statt. Die Schüler/innen, die in die 10. Klasse versetzt werden, müssen sich eine Berufsfachschule nach örtlichen und inhaltlichen Prioritäten suchen. Diese nehmen für wöchentlich zwei Tage Werkrealschüler/innen auf. An den verbleibenden 3 Tagen besuchen die Schülerinnen und Schüler wieder ihre angestammte Werkrealschule.

Anstelle der neuen Werkrealschule wäre ein 10. Schuljahr für alle Schülerinnen an der Hauptschule als gebundene Ganztagsschule eine echte Weiterentwicklung. Mit entsprechender konzeptioneller Gestaltung würde es den Einstieg in anspruchsvoller gewordene Ausbildungsgänge ermöglichen. Warum sollen weiterhin die Jugendlichen mit den schlechtesten Ausgangsbedingungen in der kürzesten Schulzeit ihren Weg machen?