„Beschleunigungsdesaster“ der OEG

Veröffentlicht am 27.11.2012 in Gemeindenachrichten

Ein seit mindestens 10 Jahren regelmäßiger Pendler zwischen Dossenheim-Bahnhof und Weinheim steht am Dienstag erwartungsvoll an der Haltestelle Richtung Weinheim. Der Fahrplan sieht vor:

  • 9.30 Uhr Rundfahrt
  • 9.40 Uhr Schriesheim
  • 9.50 Uhr Rundfahrt
  • 10.00 Uhr Schriesheim

Wie schon an vielen Dienstagen zuvor kommt weder die OEG um 9.30 Uhr noch die um 9.40 Uhr . Schließlich fährt kurz vor 10.00 Uhr die „Rundfahrt“ ein. Dicht dahinter erscheint schon die nächste „Schriesheimer“. Wieder einmal zwei Züge ausgefallen. Am Beschwerdetelefon der RNV (0621/465-0) antwortet man lapidar, dass man die Probleme kenne, aber im Moment nichts ändern könne. Für die Fahrer der Bahnen ist die Ursache jedoch klar. Auf Rückfragen kommt immer die gleiche Antwort: „Wir schaffen die kürzere Fahrzeit nicht!“

Da ist es schon eine ziemliche Frechheit, wie ein leitender Vertreter der RNV (Rhein-Neckar-Verkehrverbund) die zahlreichen Verspätungen und Ausfälle der Linie 5 kommentiert: „Der zweigleisige Ausbau an der Bergstraße hat es aber nicht schlechter gemacht“ (RNZ 24.11.2012).

Doch hat er! So schlecht wie im Moment war es noch nie!

Was nützt eine kürzere Fahrzeit auf dem Fahrplan, wenn diese tatsächlich nicht eingehalten wird. Für Schüler und Berufspendler ist die Fahrplanverlässlichkeit entscheidend. Der sehr teuere zweigleisige Ausbau wurde gerechtfertigt mit einer „höheren Zuverlässigkeit, mehr Pünktlichkeit und einer kürzeren Fahrzeit“ (RNZ 24.11.2012). All dies ist bis jetzt nicht umgesetzt worden. Die Linie 5 hat keine zuverlässigen Abfahrtszeiten, sie ist selten pünktlich und – addiert man die Wartezeiten hinzu – braucht sie auch länger als zuvor.

Staunen kann man über die Ursachenforschung der RNV: „Da sind wir sportlich und sehr optimistisch herangegangen. Es war ein ehrgeiziges, vielleicht zu ehrgeiziges Ziel“, oder „… zumal wir auch durch die Stadtgebiete Heidelberg und Mannheim durch müssen. Wenn es da zu Verspätungen kommt, holen sie die nicht mehr raus“ (RNZ 24.11.2012). Dass die Linie 5 durch Heidelberg und Mannheim fährt und dass die Durchquerung der Städte störungsanfällig ist, kann doch für einen Profi keine neue Erkenntnis sein.

Eine „sportliche“ und „ehrgeizige“ Planung und deren Umsetzung kann man derzeit am Dossenheimer OEG-Bahnhof besichtigen. Genau an der Stelle, wo die Züge halten und die Fahrgäste ein- und aussteigen, hat man zu dem bereits vorhandenen Beleuchtungsmast und dem Fahrscheinautomaten, die neue Fahrzeitenanzeige, einen Kasten mit Steuerelektronik und eine separate Aufhängung für einen Müllbehälter platziert. Auf die Idee, wenigstens den Mülleimer am vorhandenen Beleuchtungsmast anzubringen, sind die „sportlichen“ und „ehrgeizigen“ Planer bei der RNV wohl nicht gekommen.