„Es kommt darauf an, dass wir uns für unsere Werte und Leitlinien einsetzen". Heidemarie Wieczorek-Zeul, ehemalige SPD-Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, erinnerte an das Selbstverständnis ihrer Partei: Sozialdemokratische Politik sei eine Politik der sozialen Gerechtigkeit.
Der Neujahrsempfang des SPD-Ortsvereins war auf reges Interesse gestoßen. Vorsitzender Fred Hermann konnte zahlreiche Gäste im Rathaussaal begrüßen, darunter Gerd Kleinböck - Landtagsmitglied und Landtagskandidat für den Wahlkreis Weinheim-Dossenheim. Kleinböck sprach nach Wieczorek-Zeul zu den Gästen. Zweitkandidat Sebastian Cuny, Gemeinderat in Schriesheim, stellte sich ebenfalls vor. Später stieß auch der Bundestagsabgeordnete Lothar Binding zur Feier.
„Wie sieht das wirkliche Leben aus?" Wieczorek-Zeul stemmte sich mit dieser Frage gegen eine menschenfremde Poli¬tik. Dem sozialdemokratischen Leitgedanken der „Solidarität" stellte sie den christlichen Wert der Nächstenliebe zur Seite. Solidarität bedeute, sich dem anderen zuzuwenden. Es seien Verhältnisse zu schaffen, in denen die Menschen wieder .aufeinander Rücksicht nähmen. Der Neoliberalismus mit seinem Smog der Marktradikalität habe sich auch auf das Zwi-schenmenschliche ausgewirkt. Und sie führte das Brandt-Wort vom „Mehr-Demokratie-Wagen“ an.
Die Abkehr von diesen Werten werde in politischen Entscheidungen sichtbar. Es sei eine „Mär" zu behaupten, die Finanz- und Wirtschaftskrise sei überwunden. Die bloßen Zahlen legten das zwar nahe: „Doch wer bezahlt die Zeche?", fragte sie. Es sei zu verhindern, dass die Lasten auf die Schwächsten in der Gesellschaft und auf die Kommunen geschoben würden. Die Wiesbadener Bundestagsabgeordnete ist wie auch Binding dafür, die „Zeche" von den Verursachern zahlen zu lassen. Sie plädierte für eine Finanztransaktionssteuer und für eine unabhängige europäische Ratingagentur, die auch andere Gesichtspunkte in ihre Bewertung aufnehme.
Wieczorek-Zeul untermauerte auch die Bedeutung des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, das als Moderator einer globalen sozialen Gerechtigkeit eine wichtige Funktion einnehmen könne.
„Immer mehr Reisen werden von immer weniger Leuten durchgeführt", griff Kleinböck das Stichwort Gerechtigkeit auf. Er verwies auf die Menschen, die von ihrem Lohn nicht leben könnten. Was passiert mit diesen Leuten, wenn sie in Rente gehen? Ihre Altersarmut sei vorprogrammiert. Die Kommunen würden bei der Ordnung ihrer Finanzen ganz schön im Regen stehen gelassen. „Das muss ja die Landesregierung nicht unbedingt interessieren", kommentierte er deren Haltung mit Ironie. Er forderte, die demokratischen Instrumentarien weiterzuentwickeln, und schließlich warb er für die SPD und für sich bei der anstehenden Landtagswahl. Kleinböck: „Es gibt eine ganze Reihe guter Gründe für einen echten Wechsel."