Im öffentlich zugänglichen Geschäftsbericht der Altenhilfe der Evang. Stadtmission Heidelberg gGmbH für das Jahr 2008 wird folgende Prognose abgegeben: „Auch im Jahr 2009 wird im Altenhilfesektor nicht mit Entspannung zu rechnen sein. Die wirtschaftliche Situation wird durch gesetzliche Vorgaben und Wettbewerbsdruck weiter verschärft.
Verstärkt wird dieser Effekt noch durch die massiven Auflagen und Forderungen, wie Leistungs- und Qualitätsvereinbarung, die durch Heimaufsichten und andere Prüfbehörden so ausgelegt sind, dass unternehmerisches Handeln kaum noch möglich ist, ohne Rechtsvorschriften oder Verordnungen zu verletzten. Die Zunahme von ambulanten Betreuungen und der Pflege zu Hause kumuliert sich noch dazu. Hinzu kommt das stark steigende Angebot von Betreutem Wohnen. Die partiell ungünstigen Betriebsgrößen der Heime erschweren tendenziell wirtschaftliches Arbeiten. Die Übernahme und geplante Schließung des Kreispflegeheims Schriesheim unter Mitnahme von Bewohnern und Mitarbeitern an den neu entstehenden Standort Wilhelmsfeld sind operativ-strategische Maßnahmenbündel, um die wirtschaftliche und wettbewerbliche Situation der Altenhilfe der Stadtmission zu verbessern. Ebenso stellen die Bewerbung um weiter entstehende Pflegeheim- und Betreuungsanlagen-Neubauten in der Region solche Instrumente dar. Strategisch gesehen ist die Besetzung des Marktes in Wilhelmsfeld richtig, da ein potenter Wettbewerber noch negativer auf die angespannte Marktlage in der Region Schriesheim einwirken würde.
In ersten Regionen zeichnet sich bereits ab, dass Pflegekräfte schwerer auf dem Arbeitsmarkt zu finden sind. Der Abbau von Zivildienststellen und die schlechte Anrechnungsquote von Altenpflegeschülerinnen skizzieren einen Nachwuchsmangel für unsere Altenhilfeeinrichtungen.
In diesen Faktoren liegen auch die Risiken der künftigen Entwicklung. Der daraus abzuleitenden Notwendigkeit von noch mehr Wirtschaftlichkeit im Altenhilfesegment werden wir durch den stärkeren Einsatz von Steuerungsinstrumenten in der Personalplanung und der konsequenten Beachtung der Controllingergebnisse Rechnung tragen. Weitere Kooperationen und Vernetzungen mit Partnern im Gesundheitswesen werden angestrebt. Um Marktsicherung zu betreiben, stehen Gespräche zur Übernahme von Betreuten Wohnungen an. Die Übernahme weiterer Pflegeheime und Betreuten Wohnungen wird angestrebt, um die Größe der Gesellschaft zu halten bzw. zu festigen.” (Quelle: Elektronischer Staatsanzeiger)
Was heißt dies für Dossenheim?
Der Wettbewerbsdruck im Bereich der Pflegeheim ist groß. Nur durch Ausweitung der Betriebsgrößen verspricht sich die Stadtrmission eine zukünftige, erfolgversprechende Marktstrategie. Fachleute gehen davon aus, dass Pflegeheime unter 100 Pflegeplätzen nicht mehr wirtschaftlich zu führen sind. Die Stadtmission betreibt inzwischen 5 Pflegeheime: das St.Anna/Wilhelm-Frommel-Haus (166 Plätze) in HD-Innenstadt, das Haus Philippus (148 Plätze) in HD-Handschuhsheim, das Haus Stephanus (40 Plätze) in Dossenheim, das Haus Stammberg (96 Plätze) in Schriesheim und das neue Pflegeheim Erlbrunner Höhe in Wilhelmsfeld (48 Plätze). Die Stadtmission ist damit der zentrale Anbieter von Pflegeheimplätzen in unserer Region. In dieses Umfeld, in dem offensichtlich auch die Stadtmission zu kämpfen hat, ein neues, vergleichsweise kleines Pflegeheim (Hanna-und-Simeon-Heim) mit 44 Plätzen unter Federführung der Evangelischen Kirchengemeinde Dossenheim (60%-Anteil) aufzubauen, erscheint der SPD – bei aller Würdigung des Engagements - ein zu hohes Risiko. Die Stadtmission soll zwar mit einem 20%-Anteil im neuen Heim eingebunden werden, aber diese Minderheitsbeteiligung lähmt die wirtschaftlich notwendige Zusammenarbeit mit bestehenden Einrichtungen.
Die ebenfalls angedachte 20%-Beteiligung der politischen Gemeinde Dossenheim an der Betreibergesellschaft des neuen Heims schafft angesichts der oben beschriebenen Wettbewerbssituation eher schwerfällige Sonderstrukturen, die in dieser Form (60% Kirchengemeinde, 20% Stadtmission, 20% politische Gemeinde) einzigartig sind. Ohne der Gemeindeverwaltung und dem Gemeinderat nahe treten zu wollen, pflegerischer Sachverstand werden diese sicherlich nicht einbringen können. Dass die Gemeinde den Bau des neuen Heimgebäudes finanziell absichern muss, ist unbestritten. Dem laufenden Betrieb aber soll sich die Gemeinde auch im Sinne der Subsidiarität enthalten.
Daher fordert die SPD den gemeinsamen Betrieb von Hanna-und-Simeon-Heim und Haus Stephanus durch die Stadtmission. Beide Häuser mit zusammen dann 84 Plätzen und die enge Kooperation mit dem Haus Philippus sind nach Auffassung der SPD zukunftsweisend und entsprechen der Marktstrategie eines professionellen Anbieters wie der Stadtmission. Das neue Heim in Wilhelmsfeld „Erlbrunner Höhe“ – in der Größe vergleichbar mit dem künftigen Hanna- und- Simeon- Heim – wurde von dem Dossenheimer Unternehmen FWD-Hausbau GmbH erstellt, an die Stadtmission vermietet und soll eng mit dem Schriesheimer Haus Stammberg zusammenarbeiten.