Jubiläum 2015

Geschichte des Ortsvereins - 1925 -1933

Die Tätigkeit des SPD-Ortsvereins war in den Jahren bis 1933 vor allem auf Krisenbewälti­gung gerichtet, ohne dass es gelang, die Schwierigkeiten trotz eines kurzfristigen wirtschaft­lichen Aufschwungs in der zweiten Hälfte der Zwanziger Jahre zu überwinden. Daneben war die Dossenheimer SPD beteiligt und mitverantwortlich bei Entscheidungen, die die Entwick­lung und das Bild des Ortes bis zum heutigen Tage beeinflusst haben. Als erstes ist hier die Eingemeindung Schwabenheims zum 01.01.1925 zu erwähnen, gegen die sich noch 1922 die Einwohner Schwabenheims einstimmig ausgesprochen hatten. Auf Anordnung des badi­schen Innenministeriums musste die Eingemeindung dann aber vollzogen werden. Hinzu kam die dritte Flurbereinigung der Gemeinde, die 1927 beschlossen und von 1930 bis 1933 durch­geführt wurde.

Vor allem aber die Auseinandersetzungen in Zusammenhang mit den beiden örtlichen Stein­bruch­betrieben hatten erhebliche Auswirkungen auf die finanzielle Situation Dossenheims und die Arbeitsplätze im Ort. Mit der Firma Leferenz wurden Pachtverträge zur Erweiterung des Abbaugebietes abgeschlossen, die zum Teil von der SPD-Fraktion des Bürgerausschusses angefochten wurden, da der Gemeinderat ohne Einverständnis dieses Gremiums entschie­den hatte. Das Land Baden war an einer Weiterführung des staatlichen Porphyrwerkes zu Bedingungen, die annehmbar gewesen wären, nicht mehr interessiert und zwang damit die Gemeindeverwaltung, einen anderen Pächter zu suchen. Besonders die dabei erforderlichen lang­jährigen Verhandlungen, die dann im Dezember 1927 zu einem Abschluss mit dem Unternehmer Vatter führten, riefen so große Unruhen und Auseinandersetzungen hervor, dass zweimal Gendarmerie nach Dossenheim beordert werden musste.

Auch innerhalb der SPD führte dieser Pachtvertrag, der wegen eines Großbrandes im Haupt­werk und der zunehmenden Absatzkrise ab 1929 noch zu Ungunsten der Gemeinde modi­fiziert werden musste, zu derartigen Meinungsverschiedenheiten, dass der Ortsverein sich praktisch spaltete und bei den nächsten Kommunalwahlen langjährige Mitglieder auf einer eigenen Liste kandidierten und - zu Lasten des Ortsvereins - auch einen Sitz im Gemeinderat erhielten.

Die Versuche der Gemeinde in den Jahren 1919 bis 1933, die Arbeitslosigkeit und die Wohnungsnot aus eigener Kraft zu überwinden, bleiben im Wesentlichen ohne Erfolg. Alle Bemühungen, die von der SPD und ihren Vertretern im Bürgerausschuss und Gemeinderat veranlasst oder mitgetragen wurden, scheiterten letztlich an den begrenzten finanziellen Möglichkeiten Dossenheims und an den Auswirkungen der Wirtschaftskrisen mit ihren Höhepunkten 1923 (Inflation) und von 1927 bis 1932 (Weltwirtschaftskrise).

Mit auf Initiative der SPD hin nahm die Gemeinde Darlehen auf zur Finanzierung des „Klein­wohnungsbaus" und übernahm die Zinsen für die erforderlichen Kredite. Über Jahre hinweg wurde ein Teil der Arbeitslosen durch sogenannte Notstandsarbeiten besonders beim Wege­bau und bei Kanalisationsarbeiten beschäftigt, um die unzureichenden Arbeitslosen­unter­stützungen aufzubessern. Die Gemeinde wurde dadurch in derartige Schulden gestürzt, dass sie auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise gezwungen war, sämtliche im Ge­meinde­dienst zeitweilig oder auf Dauer beschäftigten Arbeiter zu entlassen, die Ansprüche auf staatliche Sozial­fürsorge hatten.

Im Jahr 1932 hatte Dossenheim bei 4194 Einwohnern 568 Arbeitslose, deren Lage aussichts­los erschien. Die Steinbrüche waren wegen des Absatz- und Produktionsrückgangs zu Kurz­arbeit und Entlassungen gezwungen, andere Industriebetriebe wie z.B. die Füllhalter­industrie befanden sich in der gleichen Situation. Die bisherigen Nebenbetriebslandwirte, die wegen des Verlustes der Arbeitsplätze, insbesondere auch bei der Steinbruchabfuhr wieder haupt­beruflich in der Landwirtschaft tätig waren, gerieten in Schwierigkeiten, da der vor allem lohnende Tabak- und Zuckerrübenanbau zur Verhinderung eines völligen Preisverfalls gesetzlich stark beschränkt wurde. Der sonst so einträgliche Gemüse- und Obstabsatz, der ab 1929 durch die Beteiligung der Großmarktgesellschaft Heidelberg-Handschuhsheim geför­dert worden war, wurde wegen der allgemein schwindenden Kaufkraft der Verbraucher praktisch unrentabel. Auch einige Handwerker und Gewerbebetriebe mussten schließen oder sogar in Konkurs gehen.

Das Scheitern der ersten demokratischen Republik in Deutschland zeichnete sich - im Rück­blick - auch in der Gemeinde Dossenheim frühzeitig ab. Ein Hinweis dafür war die Auf­splitterung der etablierten Parteien, die bereits 1930 dazu führte, dass 13 Vorschlagslisten zur Gemeinderatswahl eingereicht wurden. Von den 8 Gemeinderäten gehörten nach der Wahl bereits zwei der NSDAP an.

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