Jubiläum 2015

Geschichte des Ortsvereins - Oskar Zimmermann

Der 23.11.2007 war ein verregneter, trüber Tag, an dem um 11.00 Uhr die Familienangehörigen und eine große Trauergemeinde Abschied von Oskar Zimmermann nahm. In und vor der Fried­hofs­kapelle drängten sich etwa 250 Besucher aus der Region, darunter viele Bürgermeister, die an der Trauerfeier teilnahmen. Ein langer Zug begleitete den Sarg schließlich zum Friedhof am Gassenweg. Am Dienstag, den 20.11. erlag Oskar Zimmermann im Alter von 88 Jahren den Folgen eines Knochenbruchs, den er sich anlässlich eines Besuchs in Dossenheims süd­franzö­sischer Partnerstadt Le Grau du Roi bei einem unglücklichen Sturz zugezogen hatte.

Bürgermeister Hans Lorenz für die Gemeinde, Bundestagsabgeordneter Lothar Binding für die SPD, Bürgermeister Etienne Mourrut für die Partnergemeinde Le Grau du Roi, André Louis Emerial für den Partnerschaftsverein, Chefredakteur Manfred Fritz für die RNZ, Walter Bachert für die Arbeiterwohlfahrt und Rüdiger Neumann für den Musikverein würdigten in einer bewegenden Trauerfeier, die von Pfarrer Billau geleitet wurde, die vielfältigen Verdienste Oskar Zimmermanns.

Geboren wurde er am 7. Juni 1919. Sein Vater war Taglöhner, musste hart arbeiten, um die sechs­köpfige Familie über Wasser halten zu können. Kaum hatte der junge Oskar bei der Degussa gelernt, wie Goldfedern für teure Füllfederhalter hergestellt werden, war seine Jugend auch schon vorbei. Westwallbau, Arbeitsdienst, dann der Krieg: Polen, Frankreich, Griechenland, Kreta, Nordafrika, Russland. Das Kriegsende erlebte er in Salzburg. Dorthin hatte er den Reichs­musikzug der Hitlerjugend vor den anrückenden Russen in Sicherheit gebracht. Dort erkannten auch die Amerikaner das Organisationstalent des Stabsfeldwebels Oskar Zimmermann: US-General Patton machte ihn zum Kommandanten eines Durchgangslagers für Flüchtlinge, ver­sprengte Landser und KZ-Häftlinge.

Im Spätjahr 1945 war er wieder in Dossenheim und es begann das zweite Leben des Oskar Zimmermann. Er mogelte sich am 5. September 1945 irgendwie ins damalige Druckhaus in der Heidelberger Hauptstraße 23 und erlebte einen historischen Moment mit: Theodor Heuss, Hermann Knorr und Rudolf Agricola erhielten von den Amerikanern die Lizenz zur Herausgabe der Rhein-Neckar-Zeitung. Diese RNZ wurde fortan seine berufliche Heimat. Erst schrieb er Sportberichte. Später wurde er Außendienstler im Vertrieb. Immer öfter griff Oskar Zimmermann zu seinem Fotoapparat, hielt mit ihm für die Kreisredaktion die kleinen und großen Ereignisse rund um Heidelberg fest. Daran änderte sich auch nichts, als er schließlich 1962 in den Ruhestand trat, weil er weiterhin als Fotoreporter für die RNZ tätig blieb. Nicht ganz zufällig standen oft auf den mit „OZ“ signierten Fotos Sozialdemokraten in der Mitte.

1946 war er der SPD beigetreten, weil die, wie er einmal sagte, immer für den Frieden war. Er war von 1956-1958 zweiter und dann bis 1969 erster Vorsitzender des Dossenheimer Ortsvereins. Er vertrat sie über 27 Jahre hinweg im Gemeinderat. 1959 kandidierte er noch erfolglos bei den Kommunalwahlen. Aber ab 1962-1989 saß er durchgehend für die SPD im Gemeinderat, davon viele Jahre als Bürgermeister-Stellvertreter. Oskar Zimmermann war für die örtliche SPD ein sicherer Stimmenlieferant. Das personalisierte Kommunalwahl­system führte regelmäßig dazu, dass er vom letzten Platz der alphabetisch sortierten SPD-Kandidatenlisten von den Dossen­heimer Wählerinnen und Wählern auf den 1. Platz gehoben wurde. Abschied von der Kommunal­politik nahm er nach seinem Ausscheiden aus dem Gemeinderat aber nicht. An Mitglieder­versamm­lungen oder sonstigen Parteiveranstaltungen nahm er teil und äußerte seine meist kritische Meinung.

2006 erhielt er auf dem Kreisparteitag der Rhein-Neckar-SPD aus der Hand der stv. Parteivor­sitzenden Bärbel Diekmann für seine 60-jährige Parteimitgliedschaft die Willy-Brandt-Medaille.

Aber nicht nur in der SPD war Oskar Zimmermann prägend: 1953 war er Mitbegründer der Dossenheimer Arbeiterwohlfahrt und dann über Jahrzehnte hinweg ihr Vorsitzender. Als 1967 der Musikverein vor seiner Auflösung stand, sprang der engagierte Dossenheimer ein und übernahm abermals einen Vereinsvorsitz. Und auch in dieser Funktion verarbeitete er die Wun­den des Krieges: Er knüpfte freundschaftliche Bande nach Frankreich, nach Dossenheim im Elsass, nach Lansargues und leitete so die Städtepartner­schaft mit Le Grau du Roi in die Wege. Für all diese großen Verdienste wurde Oskar Zimmermann mannigfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Ehrenring der Gemeinde Dossenheim.

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