Jubiläum 2015

Geschichte des Ortsvereins - 1933 - 1945.

Das Ende der Demokratie kam mit der Ernennung Adolf Hitlers am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler. Bei den daran anschließenden Reichstagswahlen am 5. März 1933 erhielten die Nationalsozialis­ten in Baden 45,5 % der Stimmen und erreichten damit das drittbeste Ergebnis im Deutschen Reich. Am 10. März 1933 wurde die gewählte Landesregierung durch einen Reichskommissar abgelöst.

Einige Mitglieder der SPD in Dossenheim traten aus berechtigten Befürchtungen für sich und ihre Familien kurz vor dem Verbot der SPD aus dem Ortsverein aus, andere hatten den Mut, trotzdem für die 1933 vorgesehenen Kommunalwahlen zu kandidieren. Der letzte Wahlvor­schlag des Ortsvereins für die Wahl der Gemeindeverordneten enthält die Namen Georg Reinhard, Johann Schmitt und Wilhelm Kasper.

Mit dem Gleichschaltungsgesetz wurde im März 1933 von den Nationalsozialisten ein Instru­ment geschaffen, das sich im Laufe des Frühjahrs und Sommers 1933 zunehmend auf alle demokratischen Parteien auswirkte. Im Dossenheimer Gemeinderat wurde ebenso wie in allen anderen Kommunal- und Landesparlamenten die Zusammensetzung entsprechend dem Ergeb­nis der Reichstagswahl im März 1933 verändert, d.h. es kamen mehr Nationalsozialisten in den Gemeinderat.

Während aber für die Parlaments- und Gemeinderatsabgeordneten anderer Parteien das Man­dat nicht automatisch erlosch, wurden Sozialdemokraten und Kommunisten durch Son­der­gesetze im Juni 1933 aus den Parlamenten ausgeschlossen. So geschah es auch in Dossen­heim. Wenige Tage später, am 22. Juni 1933 wurde die SPD verboten.

Die NSDAP wurde danach die allein bestimmende Partei im Gemeinderat, die Liste der SPD zur Kommunalwahl kam nicht zum Tragen. Gemeinderäte erklärten ihren Rücktritt. Partei­akten und Mitgliedslisten wurden größtenteils vernichtet, um schlimme Konsequenzen für die Mitglieder der SPD zu verhindern. Deshalb fällt es heute schwer, über diese Zeit zu berichten.

Jakob Schmitt, in den Nachkriegsjahren langjähriger Gemeinderat, erinnert sich an diese Zeit: „Kurz vor der Machtergreifung der Nazis fand in Handschuhsheim noch eine Versammlung des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold statt (Kampforganisation der Sozialdemokraten). Ich fuhr in Uniform mit dem Fahrrad im Dunkeln zurück nach Dossenheim. Man musste vor­sichtig sein. Es gab damals auch sehr handfeste Auseinandersetzungen zwischen den poli­ti­schen Gruppierungen. Viele Gegner in der Dossenheimer Bevölkerung schufen sich die Nazis mit einer Kampagne gegen die Kirchen. Später hat sich die Solidargemeinschaft eines kleinen Ortes wie Dossenheim bewährt. Es gab kaum Denunziationen, die dazu geführt hätten, dass jemand inhaftiert worden wäre. Finanzielle und berufliche Nachteile mussten Sozial­demo­kraten jedoch gegenüber anderen, die sich den neuen Verhältnissen anpassten, schon hin­nehmen.“ Zumindest einer der Dossenheimer Sozialdemo­kraten, der Drogist Adam Engel, seit 1905 Mitglied der SPD, war längere Zeit im KZ.

Noch bis zur Mitte der Dreißigerjahre war die Situation in Dossenheim von Arbeits­losigkeit und wirtschaftlicher Not geprägt. Der „Verein zur Umschulung" hatte ab 17. Januar 1932 Not­standsarbeiten an der Schauenburg durchgeführt. Die Gemeinde verschuldete sich dadurch derart hoch, dass sie auch nach 1933 mit dieser Schuldenlast lange zu kämpfen hatte. 1935/1936 war auch die vierte und letzte (außer Schwabenheim) Flurbereinigung abge­schlossen, so dass für die Dossenheimer Landwirte bessere Arbeitsbedingungen bestanden. Obwohl in dieser Zeit jegliche öffentliche politische Arbeit lahmgelegt war, gab es doch vereinzelt politische Aktivitäten. So fand zum Beispiel 1935 im Steinbruch Vatter ein Streik statt, der offenbar von ehemaligen Gewerkschaftern organisiert wurde. Es lässt sich nicht mehr feststellen, ob auch Sozialdemokraten daran beteiligt waren, man kann es nur vermuten. August Groß und Jakob Schmitt wissen auch darüber zu berichten, dass ein riesengroßes Hakenkreuz - von Nazis an eine Felswand des Steinbruchs gemalt und weithin leuchtend - eines nachts plötzlich verschwunden war. Wir wissen heute nicht mehr, wer in hals­brecherischer Kletterei und unter der Diktatur des Nazistaates dieses Symbol übermalt hat. Den persönlichen Mut, den diese Menschen damals aufbringen mussten, kann die heutige Generation kaum noch ermessen. Es lohnt sich aber darüber nachzudenken, wenn es heutzutage gelegentlich notwendig ist, ein bisschen Zivilcourage zu zeigen.

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